Hallo,
ich habe einen 10 Monate alten Sohn und wir Eltern haben immer wieder mal Situationen, in denen wir mehr oder weniger direkt für den Umgang mit ihm oder für den Umgang mit bestimmten Situationen kritisiert werden.
Der Grundtenor ist: wir sind nicht streng genug, wir springen zu viel, wir verwöhnen ihn, er manipuliert, er muss jetzt endlich in seinem Bett schlafen oder oder oder.
Mal abgesehen davon, dass ich ihn für klug halte, denke ich dennoch, dass Manipulation aktuell seine Fähigkeiten übersteigen dürfte.
Ich weiß, dass früher im besten Wissen einiges anders gemacht wurde. Nie würde ich daraus einen Vorwurf ableiten oder sagen, es war falsch, zum damaligen Zeitpunkt war es eben das, was man für richtig hielt und heute hält man teilweise andere Dinge für richtig und in 20 Jahren vielleicht wieder andere.
Dennoch fällt es mir zunehmend schwerer, Erwartungen an mich einfach zu ignorieren und ich bin ehrlich, dieses permanente, unterschwellige Voraussagen, ich würde einen kleinen Tyrannen erziehen, lässt mich dann doch manchmal zweifeln.
Aber ich kann mein Kind nicht weinen lassen, ich kann einfach nicht sagen: nein du hast dir nicht wehgetan, jetzt weine nicht und ich will es auch gar nicht.
Trotzdem weiß ich nicht, wie ich das langfristig lösen soll, dass wir unser Ding durchziehen können ohne dass ich Zweifel bekomme, mich verunsichern lasse oder mich tagelang über diese nicht aufhörenden, ungefragten Ratschläge oder Kritik ärgere.
Vielleicht hat ja jemand ähnliche Erfahrungen und einen guten Umgang gefunden?
Viele Grüße, Emelie
Hallo Emelie-,
willkommen im Elternforum der bke-Onlineberatung. Mein Nickname ist bke-Stephan-Bäcker und ich gehöre zum Moderationsteam. Ihr Posting ist uns irgendwie durchgerutscht, bitte entschuldigen Sie die späte Antwort.
Es ist sicher sehr anstrengend, wenn Ihr Verhalten immer wieder kritisiert wird. Und ich finde es gut, dass Sie Ihr Kind trösten, wenn es sich weh getan hat. Oder traurig ist. Oder Mama oder Papa braucht. Auf die Bedürfnisse eines Kindes einzugehen führt zu einer sicheren Bindung und nicht dazu, dass das Kind ein Tyrann wird (ganz nebenbei wäre es mal interessant, wie die derzeitigen Tyrannen, welche die Weltpolitik mitbestimmen, erzogen worden sind. Aber das ist ein anderes Thema).
Gut wäre es, wenn die Oma es schafft, dass Sie über Ihr Verhalten nachdenken und es reflektieren. Es ist ja immer gut, das eigene Verhalten auch mal anzuschauen. Dass es zu Selbstzweifeln und schlechter Stimmung führt, ist alles andere als gut. Mit schlechter Stimmung und Selbstzweifeln fehlt die Gelassenheit. Und Gelassenheit ist eine wichtige Größe, um gut erziehen zu können.
Haben Sie es schon mal versucht, mit den Eltern/Schwiegereltern offen zu reden? So richtig mit Zeit, nicht aus der Situation heraus? Mit Sätzen wie: Ich spreche gerne mit Euch über Erziehung. Aber ich möchte dann gerne meine eigenen Entscheidungen treffen? Könnt Ihr das aushalten? ... Also so in der Art.
Was würden Sie denn gerne erreichen? Und was genau müsste dafür angesprochen werden?
Ihnen schicke ich viele mutmachende Grüße
bke-Stephan-Bäcker